Safran bei Kindern: Was die Forschung zu ADHS, Schlaf, Stimmung und Neurodivergenz wirklich zeigt

Safran bei Kindern: Was die Forschung zu ADHS, Schlaf, Stimmung und Neurodivergenz wirklich zeigt

Safran kennen die meisten Menschen vor allem als Gewürz. Die feinen roten Fäden gehören zu den teuersten Gewürzen der Welt und werden seit Jahrhunderten in der Küche, aber auch in verschiedenen traditionellen Medizinsystemen verwendet.

In den vergangenen Jahren ist Crocus sativus L., so der botanische Name des Safrankrokus, jedoch zunehmend Gegenstand moderner neuropsychiatrischer Forschung geworden. Besonders interessant sind dabei Untersuchungen zu Stimmung, Schlaf, Aufmerksamkeit und ADHS.

Gerade für Eltern neurodivergenter Kinder klingt das zunächst spannend. Denn Aufmerksamkeit, Impulsivität, emotionale Regulation, innere Unruhe, Ängstlichkeit oder Schlafprobleme können im Alltag eine große Rolle spielen – auch wenn natürlich längst nicht jedes neurodivergente Kind diese Schwierigkeiten hat.

Doch was kann Safran tatsächlich leisten? Welche biologischen Mechanismen werden diskutiert? Und wie gut ist die Forschung bei Kindern inzwischen?

Die Antwort ist differenziert: Es gibt erste klinische Ergebnisse, die durchaus interessant sind – insbesondere bei ADHS. Gleichzeitig wird noch aktiv weitergeforscht und viele der häufig genannten Wirkmechanismen stammen aus präklinischer Forschung.

Was ist Safran eigentlich?

Safran wird aus den roten Narben der Blüten von Crocus sativus gewonnen. Für eine vergleichsweise kleine Menge Safran müssen sehr viele Blüten von Hand geerntet und verarbeitet werden. Daher stammt auch die Bezeichnung „rotes Gold“.

Aus wissenschaftlicher Sicht interessant sind vor allem verschiedene bioaktive Pflanzenstoffe des Safrans. Dazu gehören insbesondere Crocin und Crocetin, außerdem Safranal und Picrocrocin.

Crocin ist unter anderem für die intensive Farbe des Safrans verantwortlich. Safranal trägt wesentlich zu seinem charakteristischen Aroma bei.

Diese Stoffe werden heute hinsichtlich ihrer möglichen Wirkungen auf Nervensystem und Gehirn untersucht. In experimentellen Untersuchungen zeigen Safran und einzelne seiner Inhaltsstoffe unter anderem antioxidative, entzündungsmodulierende und neuroaktive Eigenschaften.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede dieser im Labor oder im Tiermodell beobachteten Eigenschaften auch beim Menschen in gleichem Maß relevant ist. Genau diese Unterscheidung ist bei der Bewertung von Pflanzenstoffen besonders wichtig.


Warum interessiert sich die Forschung überhaupt für Safran und das Gehirn?

Das Spannende an Safran ist, dass seine Inhaltsstoffe offenbar nicht nur an einem einzelnen biologischen Prozess ansetzen.

Diskutiert werden unter anderem Einflüsse auf verschiedene Neurotransmittersysteme, auf oxidativen Stress und entzündliche Signalwege sowie auf neuronale Plastizität.

Gerade deshalb wird Safran inzwischen bei sehr unterschiedlichen neurologischen und psychiatrischen Fragestellungen erforscht – von Depression und Angst über Schlaf und Kognition bis hin zu ADHS. Eine große systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 wertete beispielsweise 46 randomisierte Studien zu verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Fragestellungen aus. Insgesamt zeigten sich dort positive Signale unter anderem für Stimmung, Angst, Schlaf und Kognition. Diese Ergebnisse stammen allerdings größtenteils aus Erwachsenenstudien und dürfen deshalb nicht einfach auf Kinder übertragen werden.

1. Dopamin und Noradrenalin: besonders interessant bei ADHS

Einer der Gründe, weshalb Safran für die ADHS-Forschung interessant wurde, betrifft das dopaminerge und noradrenerge System.

Dopamin und Noradrenalin spielen eine wichtige Rolle bei Aufmerksamkeit, Motivation, Reizverarbeitung und exekutiven Funktionen. Genau diese Systeme gehören deshalb auch zu den pharmakologischen Angriffspunkten etablierter ADHS-Medikamente.

Für Crocin und andere Safranbestandteile werden Einflüsse auf monoaminerge Signalwege diskutiert. Teilweise wird eine Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin angenommen. Für Safranal werden wiederum mögliche serotonerge Effekte beschrieben.

Allerdings ist hier Vorsicht bei der Interpretation notwendig: Ein großer Teil dieser mechanistischen Erkenntnisse stammt aus Zell- und Tiermodellen. Daraus lässt sich nicht direkt ableiten, wie stark diese Effekte im Gehirn eines Kindes tatsächlich ausgeprägt sind.

2. Glutamat und GABA: Balance zwischen Aktivierung und Hemmung

Darüber hinaus werden Wechselwirkungen mit dem glutamatergen und GABAergen System diskutiert.

Glutamat ist der wichtigste erregende Neurotransmitter des zentralen Nervensystems, während GABA wesentlich an hemmenden Prozessen beteiligt ist. Eine fein abgestimmte Balance dieser Systeme ist für Reizverarbeitung und neuronale Kommunikation wichtig.

Experimentelle Forschung deutet darauf hin, dass Bestandteile des Safrans unter anderem NMDA-Rezeptoren sowie GABAerge Mechanismen beeinflussen könnten. Auch hier gilt jedoch: Das sind biologisch plausible Mechanismen, keine Belege dafür, dass Safran bei einem bestimmten Kind eine gestörte „Neurotransmitterbalance wiederherstellt“.

3. Oxidativer Stress und neuroinflammatorische Prozesse

Ein weiterer Forschungsbereich betrifft oxidative und entzündliche Prozesse.

Crocin, Crocetin und andere Safranbestandteile besitzen antioxidative Eigenschaften und beeinflussen in experimentellen Modellen verschiedene entzündliche Signalwege. Neuere Übersichtsarbeiten diskutieren unter anderem Veränderungen von NF-κB-, NLRP3- und Nrf2-abhängigen Signalwegen.

Gerade im Bereich Neurodivergenz werden solche Mechanismen inzwischen intensiv erforscht.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Dass bestimmte biologische Signalwege bei einem Teil neurodivergenter Menschen verändert sein können und dass Safran diese Signalwege in experimentellen Modellen beeinflusst, bedeutet nicht, dass ADHS oder Autismus durch Entzündungen oder oxidativen Stress verursacht werden – und ebenso wenig, dass Safran diese Neurodivergenzen „behandelt“, indem er diese Prozesse korrigiert.

Die Forschung ist deutlich komplexer.

Safran und ADHS bei Kindern: Hier ist die Datenlage am interessantesten

Unter allen Fragestellungen rund um Safran und Neurodivergenz gibt es für ADHS bei Kindern und Jugendlichen bislang die konkretesten klinischen Daten.

Die Studien sind zwar klein und relativ kurz, ihre Ergebnisse sind jedoch interessant genug, dass inzwischen mehrere wissenschaftliche Übersichtsarbeiten das Thema aufgegriffen haben. Eine 2024 erschienene systematische Übersicht identifizierte lediglich vier geeignete klinische Studien und kam zu dem Schluss, dass Safran sowohl allein als auch ergänzend zu Methylphenidat vielversprechende Ergebnisse zeigte. Gleichzeitig betonen die Autoren den Bedarf an größeren, multizentrischen Studien.

Die Pilotstudie von Baziar et al. aus dem Jahr 2019

Eine der meistzitierten Untersuchungen stammt von Baziar und Kollegen.

54 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren mit diagnostiziertem ADHS wurden in einer randomisierten, doppelblinden Studie entweder mit Methylphenidat oder mit Safran behandelt.

Abhängig vom Körpergewicht erhielten die Teilnehmenden täglich 20 oder 30 mg der jeweiligen Intervention. Die Untersuchung dauerte sechs Wochen.

Anschließend wurden die ADHS-Symptome anhand standardisierter Einschätzungen von Eltern und Lehrkräften miteinander verglichen.

Das Ergebnis sorgte verständlicherweise für Aufmerksamkeit: Zwischen der Safran- und der Methylphenidatgruppe zeigte sich hinsichtlich der Veränderung der ADHS-Symptome kein statistisch signifikanter Unterschied. Auch hinsichtlich der berichteten Nebenwirkungen ergab sich kein relevanter Unterschied zwischen den Gruppen.

Das klingt zunächst so, als sei Safran ebenso wirksam wie Methylphenidat.

Wissenschaftlich darf man aus der Studie jedoch nicht so weit gehen.

Die Untersuchung war ausdrücklich eine Pilotstudie, hatte eine sehr kleine Teilnehmerzahl und dauerte lediglich sechs Wochen. Dass in einer kleinen Studie kein statistischer Unterschied zwischen zwei Gruppen gefunden wird, beweist zudem nicht automatisch deren therapeutische Gleichwertigkeit.

Die korrekte Schlussfolgerung lautet deshalb eher:

In dieser kleinen Kurzzeitstudie zeigten Kinder unter Safran eine vergleichbare Verbesserung der gemessenen ADHS-Symptome wie Kinder unter Methylphenidat. Das Ergebnis ist vielversprechend und rechtfertigt größere Studien – es beweist aber noch keine Gleichwertigkeit beider Behandlungen.

Safran zusätzlich zu Methylphenidat: Khaksarian et al. 2021

Eine weitere randomisierte, doppelblinde Studie untersuchte 70 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 Jahren.

Alle Teilnehmenden erhielten Methylphenidat. Eine Hälfte erhielt zusätzlich Safran in einer Dosierung von 20 beziehungsweise 30 mg pro Tag abhängig vom Körpergewicht.

Nach vier und acht Wochen wurden die Symptome anhand der ADHD-RS-IV durch Eltern und Lehrkräfte bewertet.

In beiden Gruppen verbesserten sich die Symptome. Die Gruppe, die zusätzlich Safran erhielt, wies allerdings niedrigere Werte für Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität/Impulsivität auf als die Gruppe unter Methylphenidat allein.

Schwere Nebenwirkungen wurden während der achtwöchigen Untersuchung nicht berichtet.

Auch dieses Ergebnis spricht für einen möglichen zusätzlichen Effekt von Safran.

Doch auch diese Studie war klein, hatte keinen reinen Safranarm und keine Safran-Placebogruppe. Außerdem fehlt eine langfristige Nachbeobachtung.

Sie zeigt deshalb vor allem eines: Die Kombination ist wissenschaftlich interessant genug, um genauer untersucht zu werden.

Die spanische Studie von 2022: Hyperaktivität, Aufmerksamkeit und Schlaf

Eine weitere vielzitierte Untersuchung stammt von Blasco-Fontecilla und Kollegen.

63 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 17 Jahren nahmen daran teil. 36 erhielten täglich 30 mg eines standardisierten Safranextrakts, 27 wurden mit Methylphenidat behandelt. Die Behandlung dauerte drei Monate.

Wichtig ist die Methodik: Eltern und Kinder konnten nach Aufklärung selbst entscheiden, welche Behandlung sie wählen wollten. Dadurch ist das Risiko für Verzerrungen größer als bei einer randomisierten Doppelblindstudie.

Dennoch sind die Ergebnisse interessant.

In beiden Gruppen verbesserten sich ADHS-Symptome und verschiedene Maße exekutiver Funktionen. In den Daten zeigte sich eine Tendenz, dass Methylphenidat bei Unaufmerksamkeit stärker abschnitt, während die Safrangruppe bei Hyperaktivität stärker profitierte. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren allerdings teilweise nicht statistisch signifikant.

Gerade deshalb liefert die Studie ein interessantes Signal, die Forschung in diesem Gebiet weiter auszubauen.

Und was ist mit Schlaf?

Dieser Punkt ist für viele Familien besonders interessant.

Schlafprobleme treten bei Kindern mit ADHS überdurchschnittlich häufig auf. Schwierigkeiten beim Herunterfahren am Abend, langes Einschlafen oder unruhiger Schlaf können wiederum Aufmerksamkeit, Impulskontrolle, Stimmung und Belastbarkeit am folgenden Tag beeinflussen.

In der spanischen Safranstudie berichteten Eltern in der Safrangruppe über eine deutliche Verkürzung der Einschlafzeit. Rechnerisch sank sie ungefähr von 30 auf 15 Minuten, während sich in der Methylphenidatgruppe kaum etwas veränderte.

Allerdings erreichte dieser Unterschied keine statistische Signifikanz. Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum wissenschaftliche Details wichtig sind: Das Ergebnis ist interessant, aber noch kein eindeutiger Beweis dafür, dass Safran Einschlafprobleme bei Kindern mit ADHS zuverlässig verbessert.

Erwachsenenstudien liefern zusätzliche Hinweise auf mögliche Effekte von Safran auf Schlafqualität und Einschlaflatenz. 


Safran, Stimmung und Ängstlichkeit bei Jugendlichen

Safran wird nicht nur im Zusammenhang mit ADHS untersucht.

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 80 Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren mit leichten bis moderaten Angst- oder depressiven Symptomen acht Wochen lang entweder einen standardisierten Safranextrakt oder Placebo.

Die Jugendlichen nahmen zweimal täglich 14 mg ein.

In den Selbstbeurteilungen verbesserten sich unter Safran unter anderem die gesamten internalisierenden Symptome sowie einzelne Maße für depressive Symptome, soziale Ängstlichkeit und Trennungsangst stärker als unter Placebo.

Interessanterweise bestätigten die Einschätzungen der Eltern diese Unterschiede jedoch nicht durchgehend. Die Autoren weisen deshalb selbst darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen.

Für neurodivergente Kinder kann diese Forschungsrichtung relevant sein, weil Angst, emotionale Belastungen und Schlafprobleme beispielsweise bei ADHS und Autismus zusätzlich auftreten können.

Diese Studie untersuchte keine spezifisch neurodivergente Population. Das bedeutet, das Ergebnis ist für Kinder unabhängig von ADHS oder Autismus interessant.


Safran und Autismus: spannend – aber bislang vor allem theoretisch

Beim Thema Autismus ist die Situation noch deutlich anders als bei ADHS.

2026 erschien im Journal of Ethnopharmacology eine umfangreiche Übersichtsarbeit, die sich speziell mit Safran und Autismus-Spektrum-Störungen beschäftigte.

Die Autoren diskutieren mehrere Mechanismen, die theoretisch relevant sein könnten: oxidative Prozesse, neuroinflammatorische Signalwege, glutamaterge und GABAerge Neurotransmission sowie mögliche neuroprotektive Wirkungen der Safranbestandteile Crocin, Crocetin und Safranal.

Das klingt zunächst beeindruckend.

Der entscheidende Punkt ist jedoch:

Mechanistische Plausibilität ist noch keine klinische Wirksamkeit.

Es fehlen bislang hochwertige randomisierte klinische Studien, in denen Safran gezielt bei autistischen Kindern untersucht wurde.

Deshalb lässt sich derzeit nicht seriös behaupten, dass Safran autistische Kernmerkmale verbessert.

Interessant könnte zukünftig vielmehr die Frage sein, ob Safran bei einzelnen begleitenden Schwierigkeiten wie Schlafproblemen, Angst oder Aufmerksamkeit eine Rolle spielen könnte. Aber auch das muss speziell für autistische Kinder erst untersucht werden.

Autismus selbst ist zudem keine Erkrankung, die „wegbehandelt“ werden müsste. Sinnvolle Forschung sollte darauf abzielen, Belastungen zu reduzieren und Lebensqualität sowie Teilhabe zu unterstützen – nicht Neurodivergenz zu beseitigen.

Warum die Ergebnisse gerade für neurodivergente Kinder interessant sind

Safran ist deshalb kein spannendes Forschungsobjekt, weil man erwarten würde, mit einem einzelnen Pflanzenextrakt „ADHS oder Autismus zu behandeln“.

Interessant ist vielmehr, dass verschiedene Bereiche untersucht werden, die sich bei neurodivergenten Kindern gegenseitig beeinflussen können.

Ein Kind, das schlecht schläft, ist am nächsten Tag möglicherweise reizbarer und kann Aufmerksamkeit schwerer regulieren. Starke innere Unruhe kann das Einschlafen erschweren. Angst kann wiederum die Konzentration beeinträchtigen. Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen können zusätzlichen Stress im Alltag erzeugen.

Diese Systeme lassen sich kaum vollständig voneinander trennen.

Dass Safran gleichzeitig hinsichtlich Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Stimmung, Stressverarbeitung und Schlaf erforscht wird, macht ihn deshalb wissenschaftlich interessant.

Es bedeutet allerdings nicht, dass jedes Kind in all diesen Bereichen profitieren würde.


Kann man die Ergebnisse der Studien auf normalen Safran aus der Küche übertragen?

Nein – zumindest nicht ohne Weiteres.

In den Studien wurden überwiegend definierte Safranmengen oder standardisierte Extrakte verwendet. Die untersuchten Dosierungen bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS lagen häufig bei 20 bis 30 mg Safran beziehungsweise Safranextrakt pro Tag. In der Studie zu Angst- und depressiven Symptomen bei Jugendlichen wurden insgesamt 28 mg eines standardisierten Extrakts pro Tag eingesetzt.

Diese Angaben sind keine Dosierungsempfehlung für Kinder.

Sie zeigen lediglich, welche Mengen in den jeweiligen Studien untersucht wurden.

Außerdem ist „30 mg Safran“ nicht automatisch mit „30 mg Safranextrakt“ eines anderen Herstellungsverfahrens vergleichbar. Extraktionsmethode, verwendeter Pflanzenteil und Konzentrationen beispielsweise von Crocinen und Safranal können sich deutlich unterscheiden.

Gerade bei Pflanzenextrakten ist die genaue Standardisierung deshalb entscheidend.


Wie sicher ist Safran?

In den bisherigen Kinderstudien wurde Safran über mehrere Wochen beziehungsweise wenige Monate insgesamt gut vertragen. Auch die systematische Übersicht zu ADHS berichtet bislang keine auffälligen Sicherheitssignale.

Eine 2026 veröffentlichte systematische Sicherheitsanalyse wertete 102 klinische Studien zu Safranpräparaten aus. Über alle untersuchten Populationen hinweg wurde bei weniger als jedem Fünften Teilnehmer leichte und selbstlimitierende gastrointestinale Beschwerden dokumentiert. Die Autoren kommen insgesamt zu einer guten Verträglichkeit, weisen aber darauf hin, dass insbesondere höhere Dosierungen medizinisch begleitet werden sollten.

Gerade für Kinder werden weiterhin umfangreiche Daten zu langfristiger Einnahme, unterschiedlichen Altersgruppen und möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten gesammelt.

Eine Rücksprache mit der/dem behandelnden Arztin/Arzt kann daher sinnvoll sein.

Was lässt sich aus der bisherigen Forschung also wirklich sagen?

Safran gehört zu den Pflanzenstoffen, bei denen die neuropsychiatrische Forschung in den vergangenen Jahren deutlich interessanter geworden ist.

Besonders bemerkenswert sind die ersten Untersuchungen bei Kindern mit ADHS. Mehrere kleine Studien berichten Verbesserungen von Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität beziehungsweise zusätzliche Verbesserungen bei Kombination mit Methylphenidat.

Auch für Stimmung und Angst bei Jugendlichen existieren erste placebokontrollierte Daten.

Für Schlaf gibt es Hinweise, allerdings stammen überzeugendere Studien bislang überwiegend aus Erwachsenenpopulationen. Die Ergebnisse bei Kindern mit ADHS sind eher als frühes Signal zu betrachten.

Bei Autismus wiederum stehen wir noch wesentlich weiter am Anfang. Die diskutierten biologischen Mechanismen sind interessant, aber es fehlen klinische Studien, die daraus einen konkreten Nutzen für autistische Kinder ableiten lassen.


Fazit

Die bisherige Forschung macht deshalb deutlich: Safran gehört aktuell zu den interessantesten pflanzlichen Substanzen im Bereich Aufmerksamkeit, Stimmung und Nervensystem.

Vor allem bei ADHS zeichnet sich inzwischen ein konsistentes Bild ab, das weit über reine Laborbefunde hinausgeht. Gleichzeitig werden mit jeder neuen Studie die Fragen präziser: Welche Kinder profitieren besonders? Welche Inhaltsstoffe sind entscheidend? Und welche Rolle könnte Safran langfristig als eigenständiger oder ergänzender Ansatz spielen?

Genau hier dürfte die Forschung der kommenden Jahre besonders spannend werden.

Denn während viele traditionelle Pflanzenstoffe erst noch zeigen müssen, ob sich ihre historische Verwendung wissenschaftlich bestätigen lässt, hat Safran diesen Schritt bereits begonnen: von jahrhundertealtem Erfahrungswissen hin zu einem zunehmend gut untersuchten Pflanzenstoff mit konkreter Relevanz für die moderne Neuropsychiatrie.


Quellen und weiterführende Literatur

Baziar S. et al. (2019): Crocus sativus L. Versus Methylphenidate in Treatment of Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Randomized, Double-Blind Pilot Study. Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology.

Khaksarian M. et al. (2021): A Comparison of Methylphenidate (MPH) and Combined Methylphenidate with Crocus sativus (Saffron) in the Treatment of Children and Adolescents with ADHD: A Randomized, Double-Blind, Parallel-Group, Clinical Trial. Iranian Journal of Psychiatry and Behavioral Sciences.

Blasco-Fontecilla H. et al. (2022): Effectivity of Saffron Extract (Saffr’Activ) on Treatment for Children and Adolescents with Attention Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD): A Clinical Effectivity Study. Nutrients.

Seyedi-Sahebari S. et al. (2024): The Effects of Crocus sativus (Saffron) on ADHD: A Systematic Review. Journal of Attention Disorders.

Lopresti A. et al. (2018): A standardised extract from saffron for the treatment of youth anxiety and depressive symptoms: A randomised, double-blind, placebo-controlled study. Journal of Affective Disorders.

Han S. et al. (2024): New horizons for the study of saffron and its active ingredients in the management of neurological and psychiatric disorders: A systematic review of clinical evidence and mechanisms. Phytotherapy Research.

Wei M. et al. (2026): Saffron (Crocus sativus L.): A multi-target phytochemical with potential therapeutic relevance for autism spectrum disorder – A review of pharmacological mechanisms and future perspectives. Journal of Ethnopharmacology.

Hasheminasab F. S. et al. (2026): Adverse Events of Saffron (Crocus sativus L.): Systematic Review of Current Evidence. Health Science Reports.

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