Wie sinnvoll ist Nahrungsergänzung für mein Kind?

Wie sinnvoll ist Nahrungsergänzung für mein Kind?

Ist Nahrungsergänzung bei Kindern sinnvoll?

Viele Eltern fragen sich: Reicht eine gesunde Ernährung aus – oder braucht mein Kind zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe oder andere Nährstoffe?

Diese Frage ist berechtigt. Denn einerseits gilt: Kinder sollen möglichst über ihre Ernährung versorgt werden. Andererseits zeigen viele Studien, dass selbst bei bewusster Ernährung nicht immer alle wichtigen Nährstoffe in ausreichender Menge aufgenommen werden.

Ein genauer Blick auf die Fakten hilft, das Thema besser einzuordnen.

Warum gesunde Ernährung heute nicht immer alles abdeckt

1. „Versteckter Hunger“ – Nährstoffmängel trotz gesunder Ernährung

Die Kinderhilfsorganisation UNICEF spricht von sogenanntem „verstecktem Hunger“. Gemeint ist damit, dass Kinder zwar genug Kalorien zu sich nehmen, aber trotzdem zu wenig wichtige Vitamine und Mineralstoffe bekommen.

Das betrifft nicht nur arme Länder, sondern auch Kinder in Europa. Ein Kind kann also normal wachsen und satt werden – und trotzdem langfristig zu wenig bestimmte Nährstoffe aufnehmen.

Quelle: UNICEF, Bericht zu Mikronährstoffmängeln bei Kindern

2. Lebensmittel enthalten heute oft weniger Nährstoffe als früher

Wissenschaftliche Auswertungen zeigen, dass sich der Nährstoffgehalt mancher Obst- und Gemüsesorten im Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Gründe dafür sind unter anderem:

  • intensive Landwirtschaft
  • ausgelaugte Böden
  • Züchtung auf schnelles Wachstum und hohe Erträge

Eine bekannte Untersuchung aus den USA verglich Nährstoffdaten aus den Jahren 1950 und 1999 und stellte bei mehreren Vitaminen und Mineralstoffen niedrigere Werte fest.

Das bedeutet nicht, dass Obst und Gemüse „schlecht“ sind – sie bleiben extrem wichtig. Es bedeutet aber, dass die gleiche Portion heute nicht automatisch die gleiche Nährstoffmenge liefert wie früher.

Quelle: Davis et al., Fachzeitschrift für Ernährungswissenschaft, 2004

3. Lagerung, Transport und Zubereitung kosten Nährstoffe

Viele Vitamine sind empfindlich. Licht, Sauerstoff, Wärme und Zeit können dazu führen, dass der Gehalt nach der Ernte sinkt. Besonders betroffen sind zum Beispiel Vitamin C und einige B-Vitamine.

Die Welternährungsorganisation FAO beschreibt, dass zwischen Ernte und Verzehr messbare Verluste auftreten können – vor allem bei längerer Lagerung.

Hinzu kommt, dass gerade in Fertiggerichten oder verarbeiteten Lebensmittel eigentlich gesunde Zutaten wie Obst oder Gemüse so stark verarbeitet und mit künstlichen Zusätzen versetzt werden, dass ihr ursprünglicher Mehrwert fast vollständig verloren geht.

Quelle: FAO, Ernährung und Lebensmittelqualität

Was Studien zur Nährstoffversorgung von Kindern zeigen

  • Vitamin D: Viele Kinder haben besonders im Herbst und Winter zu niedrige Werte, da Vitamin D hauptsächlich durch Sonnenlicht gebildet wird.
    Quelle: Robert Koch-Institut, KiGGS-Studie
  • Omega-3-Fettsäuren: Kinder essen im Durchschnitt sehr wenig fettreichen Fisch. Dadurch nehmen sie oft zu wenig Omega-3-Fettsäuren auf, die für Gehirn und Nervensystem wichtig sind.
    Quelle: Nationale Verzehrsstudie II
  • Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen oder Zink: Auch hier zeigen sich bei vielen Kindern Aufnahmen unterhalb der empfohlenen Mengen.
    Quelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit

Diese Daten bedeuten nicht automatisch eine Erkrankung, zeigen aber, dass Versorgungslücken bei Kindern keine Seltenheit sind.

Besonders relevant bei ADHS, Autismus und sensiblen Kindern

Bei Kindern mit ADHS, Autismus oder sehr sensiblen Nervensystemen kommen häufig zusätzliche Faktoren hinzu:

  • stark eingeschränktes Essverhalten
  • sehr einseitige Lebensmittelauswahl
  • empfindliche Verdauung

Studien zeigen zudem, dass Darm und Gehirn eng miteinander verbunden sind. Der Darm beeinflusst über Botenstoffe und das Immunsystem auch Prozesse im Gehirn.

Quelle: Cryan et al., Übersichtsarbeit zur Darm-Gehirn-Verbindung, 2019

Kann Nahrungsergänzung helfen?

Fachorganisationen sind sich einig: Nahrungsergänzung ist kein Ersatz für gesunde Ernährung, kann aber sinnvoll sein, wenn bestimmte Nährstoffe über die Ernährung nicht ausreichend aufgenommen werden oder ein erhöhter Bedarf besteht.

Zu Omega-3-Fettsäuren gibt es mehrere Studien bei Kindern mit ADHS. Zusammenfassungen dieser Studien zeigen kleine bis mittlere Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Impulsivität – besonders bei Produkten mit einem höheren Anteil der Omega-3-Fettsäure EPA.

Quelle: Chang et al., Fachzeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie, 2018

Worauf Eltern achten sollten

  • keine wahllose Kombination vieler Produkte
  • kindgerechte Dosierung
  • möglichst wenige Zusatzstoffe
  • klare Zusammensetzung und transparente Qualität

Mehr ist nicht automatisch besser.

Fazit

Nahrungsergänzung ist bei Kindern nicht grundsätzlich notwendig, aber unter heutigen Bedingungen auch nicht grundsätzlich unnötig.

Versteckter Hunger, veränderte Lebensmittelqualität, Lagerverluste und individuelle Besonderheiten – besonders bei ADHS, Autismus und sensiblen Kindern – machen eine gezielte Ergänzung in manchen Fällen sinnvoll.

Entscheidend ist ein bewusster, informierter Umgang – immer als Ergänzung zur Ernährung, nicht als Ersatz.

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